Morgen....
Morgen wird schwer...
Morgen wird hart...
Morgen beerdige ich meine Mutter.
Warum schreibe ich dann heute?
Ja warum eigentlich?
Weil es mir hilft … ...und andere vielleicht beim Lesen merken, dass sie nicht allein sind.
Vor nicht allzu langer Zeit starb bereits mein Vater und meine Mutter folgte ihm nun am 16.08.26.
Und es ist schwierig zu beschreiben, was außer Trauer noch in einem vorgeht.
n meinem Fall kann ich glücklich sein darüber, dass meine Männer zu Hause, wie auch gute Freunde mir beistehen. Und sei es nur damit, dass sie mich abholen oder wir uns verabreden, damit ich auf andere Gedanken komme. Und auch andere Menschen drum herum, die einem die Zeit ein wenig erleichtern. Sei es damit, dass sie mir Dinge ermöglichen oder einfach da sind und mich und meine Familie begleiten.
Morgen...
Morgen übernimmt die nächste Generation, meine Geschwister und ich. Und das fühlt sich seltsam an. Wenn da in der Reihe über dir keine Eltern mehr sind, da kein Name mehr steht. Wenn es immer hieß „Treffen uns bei Mama und Papa“ – nur dass die jetzt nicht mehr da sind. Und ja, ich kann mich an vielen Stellen aussprechen und anlehnen. Und es hilft auch, aber es verändert die Situation nicht. Es macht sie aber erträglicher.
Morgen...
Da werde ich wieder das Gefühl haben, dass meine Geschwister alles erledigt haben und ich nicht. Niemand macht mir Vorwürfe, ich wohne weiter weg und fahre per Zug dank Bahnchaos knapp 2 ½ bis 3 Stunden. Ich weiß das, mein Verstand sagt, es ist ok. Aber mein Herz sagt was anderes.
Morgen...
Morgen werde ich die Kleidung anziehen, die ich bereits raus gelegt habe, die bestellten Blumen einpacken, den Kuchen meiner Schwiegermutter mitnehmen und während der Fahrt wohl tausendmal „Wenn du gehst“ von Johannes Oerding oder „La vie en rose“ anhören, mich mit meinem Mann, meinem Sohn und meiner Freundin unterhalten und dabei hoffentlich kurz mal vergessen, wo wir hin müssen.
Morgen...
Morgen werde ich versuchen mich zusammen zu reißen und wahrscheinlich kläglich scheitern. Werde mich an meinem Mann, meinem Sohn und einer meiner besten Freundinnen fest halten und Abschied nehmen von meiner Mutter. Dabei mit Verwandten reden, die ich wahrscheinlich dann nie wieder sehe und geliebte Familienmitglieder versuchen zu stützen, während ich selber kurz vorm Fallen stehe. Und ich werde weiterhin das Gefühl haben, dass sich hier etwas grundlegend ändert. Weil wir jetzt in diesem Familienkreis die obere Generation sind. Eigentlich haben meine Geschwister und ich gewisse Dinge bereits lange übernommen, aber dann ist es final so. Ich habe kein Problem mit dem Älter werden, ganz im Gegenteil. Aber ich hatte gehofft, dass dieser Moment noch so weit weg ist. Ich hatte gehofft, dass meine Mutter noch ein paar Dinge erleben kann. Auch weil sie und mein Vater in ihrem Leben nicht ganz so viel getan haben... außer arbeiten und alltäglichen Trott. Ich hatte es mir gewünscht...
Morgen...
Morgen nun endet dieses Kapitel. Nicht meines, auch wenn es sich gerade anfühlt wie ein zu lang gezogenes, zähes Kapitel. Aber meines geht wieder, ihres nicht. Ich weiß, dass sie stolz auf ihre Kinder war, sie selbst hat es mir gesagt. Aber besonders in den letzten Tagen, in denen meine Geschwister sich durch die Wohnung meiner Mutter wälzen, finden sie immer mehr kleine Dinge, die diese Frau aufbewahrt hat und die zeigen, wie wichtig ihr ihre Kinder waren.
Morgen nun....
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